Papaklausi´s Blog

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Die Geschichte der pornoantenne

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Die pornoantenne aus Mattersburg„Dein Bruder hat mir erzählt, in der Praxis eurer Mutter sei ein Raum frei. Ich suche einen Proberaum, und einen Schlagzeuger. Was sagst du dazu?“, fragte ich Andi, den Schlagzeug spielenden jüngeren Bruder eines guten Freundes, und pornoantenne ward aus der Asche gestiegen. Das war im Sommer 2004. Anfangs nannten wir uns allerdings nicht pornoantenne. Nein. Damals trug Andi sein langes Haar zu einem Pony zusammengebunden, und ich ging selten ohne meinen Trilby außer Haus (so dass einige Teenagermädchen bereits das Gerücht in Umlauf gebracht hatten, ich trüge ihn sogar während des Sex. Welch absurder Gedanke: ich und Sex! HA!!). In diesen Urzeiten der Bandgeschichte nannten wir uns – in Anlehnung an Neil Young & Crazy Horse – „Der Hut und das verrückte Pferd“. Viel zu sperrig der Name. Eine einzige Schande.Die ersten Proben machten uns großen Spaß. Die Ausstattung war minimalistisch: ein Schlagzeug Set, ein Mikro mit Ständer, eine südkoreanische E-Gitarre und ein 20 Watt Transitorverstärker mit einer acht Zoll Membran. Ich schrieb ein paar aufrichtige Lieder, in die ich meine persönlichen Lebenserfahrungen und -erwartungen einbrachte, und ließ mir dazu fetzige Akkordfolgen und Melodien einfallen. Wer hätte das gedacht: Genialität war überraschenderweise ein Kinderspiel. Wir haben vom ersten Moment an gerockt. Der Tinnitus im Nachhinein war unsere Trophäe.

Das Geld, das mir das Arbeitsamt damals dafür zahlte mich eine Zeitlang mit absurden Kursmaßnahmen in Wien foltern zu dürfen, verprasste ich auf einen Schlag für einen 50 Watt Hybridverstärker von Marshall. Andi zog mit und finanzierte eine kleine Lautsprecheranlage mit 80 Watt. Wir wurden lauter, und man konnte nun die Sprache erkennen in der ich sang. Manchmal leistete ich mir einen frischen Satz Saiten. Wir fühlten uns wie High Roller, und wir wurden so sehr PRO, wie das unsere damalige Moralvorstellung eben gerade noch so erlaubte.

Aber es fehlte natürlich an Frequenzen. Auf das Klangspektrum bezogen klangen wir wie die White Stripes. Oder eben wie der Hut und das verrückte Pferd. Das wollten wir nicht. Wir wollten klingen wie pornoantenne. So genau wussten wir das damals noch nicht, aber uns war klar: wir brauchten Bass. Herrje, wenn ich daran zurückdenke… wie viele Leute wir damals hatten vorspielen lassen! Zwei! Der erste hatte zum ersten Mal einen Bass in der Hand und tat sich eine Spur zu schwer dem Geschehen zu folgen, worüber ich gerne hinweggesehen hätte, aber er war außerdem Student, und als Schulabbrecher fühlte ich mich davon eingeschüchtert. Der zweite hatte Probleme damit bis zwei zu Zählen ohne schneller oder langsamer zu werden. Mir als musikalisches Wunderkind wurde etwas mulmig beim Beobachten: ist so was ansteckend? Weg damit! Ab in die Leprakolonie*! (Dabei fällt mir noch ein dritter Kandidat ein, der sowohl Student war als auch nicht bis zwei zählen konnte ohne dabei schneller oder langsamer zu werden. Der muss ganz tief in meinem Unterbewusstsein versteckt gewesen sein, und dorthin tu ich ihn jetzt auch wieder zurück.)

Dann kam Andi, also Glocki. Glocki war so einer. Einer der mit Mädchen schmuste und sie manchmal auch auszog. Und die Mädchen wollten das sogar. So einen hätten wir gerne in unserer Band gehabt. Unterschiede ziehen sich nämlich manchmal magisch an. Glocki hatte zwar nicht viel Erfahrung am Bass, aber dafür strahlende Augen und ein Lächeln wie Frank Sinatra. Zum Dahinschmelzen! Als er so dastand mit umgehängtem Instrument und seine ersten Töne zupfte, erschien plötzlich ein Kranz aus warmem Licht um seine Gestalt, und ein wohliges Gefühl durchdrang die Seelen aller im Raum Anwesenden. Glocki stand nämlich genau vor dem einzigen Fenster im Proberaum und die Sonne kam gerade hinter den Wolken hervor. Es ging dann aber auch sonst ganz gut, und überhaupt: um ganzheitlich zu Rocken benötigt man nun mal einen Frauenschwarm in der Mannschaft. Also war Glocki rekrutiert, und die sexuellen Schwingungen, die er mit einer frechen Permanenz durch den Äther schickte, ließen in mir bald jene Assoziation aufkommen, die schließlich, endlich und sogar letztlich unser Bandname werden sollte: pornoantenne.

Nach ein paar Monaten im Proberaum ließ ich meine Kontakte spielen und besorgte uns einen Gig im Jugendzentrum Eisenstadt, wo ich zu jener Zeit zweimal die Woche ein Ansprechpartner für die Jugendlichen war. Dieser schicksalhafte Gig sollte am 8. Februar 2005 stattfinden. Faschingsdienstag. Aufregung packte uns! Wir waren in Hinblick darauf übrigens von hoher Stelle wegen unseres Bandnamens gerügt worden, denn das Jugendzentrum unterstand einer katholischen Führung. Nach einem Vorschlag meines Bruders Klaus nannten wir uns bei katholischen Veranstaltungen künftig Kuschelsensoren, was unser alternativer, und wie einige Respektspersonen behaupten, besserer Bandname wurde. Noch bevor wir jegliche Bühnenerfahrung sammeln konnten, hatten wir zwei wahnsinnig erregende Bandnamen. Der Hype war enorm, und der Druck, der auf uns lastete, erdrückend.

Als dann an jenem Abend die Nervosität mit den ersten Akkorden von uns abfiel, und die anwesenden katholischen Schulmädchen in tranceartige Willenlosigkeit versanken, war alles gut. Über die Eindrücke meiner Bandkollegen kann ich nur spekulieren. Ich selbst wurde nach unserem Auftritt von einer Salve bewundernder, aber auch zurückhaltender Blicke durchbohrt, die ich damals noch nicht zu deuten wusste. Erst Jahre später erfuhr ich eine interessante Tatsache: so viele Mädchen im Publikum hatten sich schlagartig in mich verliebt, dass ein Pakt zwischen ihnen geschlossen wurde mich kollektiv nicht mit Balzverhalten zu umgarnen, um eine dramatische Eifersuchtsschlacht abzuwenden. Meine männliche Sanftheit und mein zarter Singsang hatten also ihre Aufgabe erfüllt.

Doch es waren nicht nur die hübschen Mädchen und die weltbewandten Frauen, die uns ihre Bewunderung und Reinheit schenkten. Im Laufe der Zeit horchten immer mehr Kollegen der lokalen und internationalen Musikszene auf, wollten unsere Freunde und überhaupt wie wir sein und sich im Lichte unseres hellen Sternes sonnen. Das brachte uns organisatorische Vorteile. Mitglieder der Schweinerockband Rokkitähti zum Beispiel „redeten“ mit Robert, dem Besitzer des hippsten Lokals in Mattersburg und dessen Schaltzentrale der Independent-Szene, dem F&M, und „überzeugten“ ihn im Laufe des „Gesprächs“, nach anfänglichen Ressentiments, uns seine Bühne zur Verfügung zu stellen, was uns ein Konzert vor vollem Haus und weitere Bekanntheit brachte. Dadurch rückten wir in das Blickfeld der im deutschsprachigen Raum etablierten Band Garish, die uns so unwiderstehlich fand, dass sie uns freundlich zwangen ihre „Parade“-Tour als erster Support-Act zu eröffnen. Das war am 3. März 2007, und der Höhepunkt unserer Kariere. Wie die Zeit fliegt!

Glocki war in der Zwischenzeit professioneller Polizist in Wien geworden. Andi war inzwischen Student. Student der Mathematik. Ich hatte kurz zuvor meinen Eltern zuliebe eine EDV-Techniker Lehrausbildung abgeschlossen, und wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Ich wollte meinen Lebensunterhalt mit Musik verdienen und mehr Zeit und Energie darin investieren. Man könnte sagen meine ganze Zeit und meine ganze Energie und mein Lebenslicht. Das Potential von pornoantenne war für mich ausgeschöpft, und schwermütig deklarierte ich pornoantenne als ein auf Eis gelegtes Hobbyprojekt mit stimmungsbedingter Reunions-Option und wendete mich einem anderen musikalischen Projekt zu.

Ich war der einzige Songschreiber der Band, was mich gelegentlich etwas unter Druck setzte. Manchmal ging eine Idee nicht ganz so auf, wie ich mir das vorstellte. Das konnte frustrierend und entmutigend sein. Manchmal übertraf das Ergebnis meine Erwartungen bei weitem. Das waren besondere Glücksmomente, die ich zeitlebens nicht vergessen werde. Es war eine großartige Zeit, ein wichtiger Abschnitt in meinem Leben, und ich schätze auch in den Leben meiner Mitspieler. Wir haben sehr viel miteinander gelacht. Und ich freue mich darauf mit ihnen wieder vor bekannten Gesichtern auf der Bühne zu stehen.

Vor denen die da rocken, salutiere ich! Kauft unsere T-Shirts! Auch für Freunde und Verwandte! Kauft, kleine Käfer, kauft!

*Lepra ist übrigens nicht besonders ansteckend, und über die Stigmatisierung von Leprakranken sollte man keine Witze machen.
Siehe http://www.lepra.ch/

Geschrieben von papaklaus

Dezember 18, 2007 um 11:29

Veröffentlicht in pornoantenne

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